Besuch zu Hause

By 15/09/2015Unkategorisiert

Wenn ein Kind beschuldigt wird, eine Hexe zu sein, kommt diese Beschuldigung oft von einem Onkel, einer Oma, einer Stiefmutter, einem Stiefvater, Nachbarn, Dorfbewohnern oder dem Pastor. Es ist sehr selten, dass die Hexenbeschuldigungen direkt von den Eltern der Kinder kommen. Aber wenn ein Kind erst einmal beschuldigt wurde eine Hexe zu sein, gibt es keinen Weg zurück. Die Dorfbewohner verlangen dann entweder, dass das Kind die sogenannten bösen Geister durch nächtliche Hexenaustreibungen (Exorzismus) ausgetrieben bekommt, welche von einheimischen Pastoren der Dorfkirchen vorgenommen werden. Oder dass die Eltern das Kind zu einem Hexendoktor mit magischen Kräften bringen, die die Hexe aus dem Kind austreiben können. Dieses kostet aber viel Geld und der Aberglaube ist in den ärmsten und primitivsten Umgebungen am größten. Deshalb werden die Kinder oft gefoltert und umgebracht. Die Eltern können nichts gegen ein ganzes Dorf und die okkulten Gruppen, welche alle verlangen, dass das verhexte Kind entweder zum Tode gefoltert oder aus dem Dorf vertrieben werden soll, unternehmen. Lässt man das verhexte Kind weiterhin bei sich leben riskiert man, selbst getötet zu werden. Die Eltern glauben auch selbst, dass das Kind verhext ist, wenn ein Pastor behauptet, das Kind sei eine Hexe. Die Kinder werden umgebracht indem Sie entweder enthauptet, lebend begraben, lebend verbrannt oder einfach zum Tode geschlagen und gefoltert werden. Denken Sie daran, dass dieser Aberglaube nicht in Afrika entstanden ist. Im 17. Jahrhundert wurden Frauen sogar in Dänemark verbrannt, weil man glaubte, sie seien Hexen. Die als Hexe angeklagte Frau (oftmals eine demente alte Frau) musste sich ihrem „Pakt mit dem Teufel“ bekennen und wurde durch Folter gezwungen, Ihre Hexen-Komplizen (Mann und Kinder wurden auch verbrannt!) anzugeben. Der letzte außergerichtliche Hexenmord in Dänemark fand im Jahr 1800 statt. Die letzte gesetzeswidrige Hexenmisshandlung fand 1897 statt, die letzte Hexenbeschuldigung wurde in 1934 geäußert! Es ist also nicht so lange her, dass man in Dänemark an Hexen glaubte! Anstatt mit dem Finger zu zeigen müssen wir gemeinsam den Aberglauben bekämpfen und den ärmsten der Welt helfen, da wir selbst genauso gelebt haben. Warum sind wir in Dänemark weiter gekommen? Und warum steht die Zeit in den armen Dörfern hier in Nigeria, wo der Aberglaube herrscht wie er es in Dänemark in 1500 – 1600 getan hat, still? Dieses hat zwei Hauptgründe: Unkenntnis und Armut! Dort wo extreme Armut herrscht, herrscht auch Unkenntnis. Armut sorgt dafür, dass Kinder nicht in die Schule kommen. Wenn Kinder nicht in die Schule kommen gibt es keine Weiterentwicklung und alles steht still. Alles hängt zusammen. Und die nigerianische Regierung unternimmt nichts, um dem Aberglauben ein Ende zu bereiten! Im Augenblick ist Nigeria das afrikanische Land mit den meisten Kindern, die nicht in die Schule gehen. DINNødhjælps wichtigste Aufgabe hier in Nigeria ist es daher, Aufklärungsarbeit zu leisten. Da die nigerianische Regierung keine Mittel verwendet, um aufzuklären und auszubilden, müssen wir durch unsere Aufklärungsarbeit den Aberglauben bekämpfen. Ich werde in einem anderen Artikel näher darauf eingehen, wie wir diese Aufklärungsarbeit hier in Nigeria vornehmen.

Die Kinder in DINNødhjælps Kinderheim vermissen natürlich deren Familien. Sie sprechen oft über ihre Geschwister, Cousins und Cousinen, Großeltern und Eltern (oder Mutter oder Vater, wenn ein Elternteil verstorben ist).  Und es ist unsere WICHTIGSTE Aufgabe, dass die Kinder den Kontakt zu ihren Familien bewahren. Ab und an nehmen wir die Kinder zu sogenannten „Home Visits“ (Besuche zu Hause) mit und die Kinder freuen sich immer sehr darauf. BESUCHE ZU HAUSE IST DER WICHTIGSTE TEIL UNSERER AUFKLÄRUNGSARBEIT! Wenn Kinder, die früher ein ausgestoßenes Leben gelebt haben, als Hexe bezichtigt wurden, fast bis zum Tod gefoltert wurden, Kinder die auf Grund der Hexenbezichtigung nicht länger in die Schule gehen durften, Kinder mit denen die anderen Kinder nicht mehr spielen wollten, Kinder die in Angst gelebt haben, wenn diese Kinder zurück zu ihrer Familie und ihrem Dorf kommen und gesund, stark und fröhlich aussehen,  gut englisch sprechen, Selbstbewusstsein und Hoffnung zurück erhalten haben, das gibt dem ganzen Dorf etwas zum Nachdenken und sie sehen ihre Unwissenheit ein und erkennen, dass die Kinder keine Hexen sind. Wir zeigen der ganzen Gemeinde, dass die Kinder keine Hexen sind, sondern dass die, welche die Kinder beschuldigt haben, eine Hexe zu sein, vom Pastor oder anderen Dorfbewohnern indoktriniert wurden. BESUCHE ZU HAUSE HELFEN EINEN STOPPER VOR DEN ABERGLAUBEN UND WEITEREN TOTEN KINDERN ZU SETZEN! Gestern hat Rita (welche wir im Dokumentarfilm „Eine Dänin rettet die Welt“ retten) ihre Eltern und Geschwister (unter anderem ihren Zwillingsbruder) zum ersten Mal nach 6 Monaten besucht. Idiong und Essien (welche Sie im Dokumentarfilm „Die Helden der Hölle“ kennen lernen) besuchen ihre Eltern und Geschwister wieder. Alle Freunde, die früher nicht mit Idiong spielen wollten, kommen und nehmen Sie in den Arm und sehen zu ihr auf, als wäre sie ein Idol. Idiong stand selbst MIT STOLZ INS GESICHT GESCHRIEBEN und erzählte ihrer Familie und einigen Dorfbewohnern, dass sie irgendwann mit einer abgeschlossenen Ausbildung zurückkommen wird und allen im Dorf erklären wird, dass es keine Hexen gibt und dass ihr die Menschen glauben werden. Ich wünsche mir, dass Sie sie hätten sehen können! SO KÖNNEN WIR DEN ABERGLAUBEN AUSROTTEN! Wir hatten gestern auch ein extra Erlebnis, mit dem wir nicht gerechnet hatten. Idiongs nur 15 Jahre alte Freundin hatte in der Nacht ein kleines Mädchen geboren, selbstverständlich musste ich mir das kleine Baby anschauen.

 

Hjemmebesøg